Wir können die Berliner Wälder und Moore gemeinsam noch besser vor den Folgen des Klimawandels schützen

Pressemitteilung                                                                               29. Januar 2021

Über 1.6 Millionen Bäume sind im Waldumbauprogramm in den letzten 5 Jahren neugepflanzt worden, denn der alte Baumbestand leidet unter der Hitze, dem fehlenden Regen und den Schädlingen. Rund 92% der alten Bäume in den Berliner Wäldern sind krank und haben Schäden. Deshalb werden seit Jahren neue Laubbäume angepflanzt, denn sie sind hitzeresistenter, binden mehr CO² und halten das Regenwasser besser im Waldboden als Nadelhölzer und schützen damit den Wald vor dem Austrocknen und schonen damit die Grundwasserreserven Berlins. Ziel des Programms ist der Umbau der Berliner Wälder zu stabilen, ungleichaltrigen, struktur- und artenreichen Mischwäldern. Neue technische Möglichkeiten, ein gesteigerter Wissenstransfer und bürgerschaftliches Engagement könnten laut meiner Schriftlichen Anfrage an den Senat dabei helfen den Berliner Forst klimaresistenter zu gestalten.

Berlin ist mit 18% Waldbestand eine der waldreichsten Städte Deutschlands. Die Berliner Forsten besitzen Waldbestände innerhalb der Landesgrenzen, aber auch im Nachbarland Brandenburg.

Um die Waldgesundheit und die Biodiversität zu fördern, pflanzen die Berliner Forsten hitzeresistente Laubbäume, heben den Grundwasserspiegel in den Moorflächen an und weisen neue Naturschutzgebiete aus. Laut dem Waldzustandsbericht[1) der Berliner Forsten leiden die Berliner Wälder seit drei Jahren unter der Trockenheit und den damit einhergehenden Schädlingen- rund 92% der Bäume sind bereits stark oder weniger stark beschädigt. Die geschlagene Menge an Holz verringerte sich dementsprechend von 75.211 Festmetern in 2019 auf 33.244 in 2020.

Die hohe Zahl von sterbenden Bäumen ist nicht nur langfristig verheerend für das Ökosystem, sondern ist auch eine Gefahrenquelle für alle Waldnutzer*innen. Um Unfälle durch umstürzende Bäume und herabfallendes Totholz zu vermeiden, müssen die Wege aufwendig gesichert werden. Die Kosten der Verkehrssicherungspflicht explodieren – alleine in 2020 wurden 550.000 Euro ausgegeben.

Bettina Domer SPD, Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz des Berliner Abgeordnetenhauses: In meinem Wahlkreis liegt der Spandauer Forst mit den Mooren am Teufelsbruch an der Grenze zum Havelland. Bei meiner letzten Fraktion vor Ort im Oktober 2020 erkundete ich gemeinsam mit vielen interessierten Bürger*innen den Forst und wir informierten uns beim Forstamt über die Waldgesundheit, die Funktion des Waldes für Berlin und die umfangreichen Maßnahmen zum Schutz des Waldes.

Das Mischwaldprogramm des Senats ist ein erfolgreicher Ansatz, um die großen Herausforderungen des Klimawandels in Berlin anzugehen. In den letzten fünf Jahren konnten über 1,69 Millionen Laubbäume in den Berliner Wäldern neu angepflanzt werden. Besonders die Bildung einer Hummusschicht, der Schutz der Biotope und die Stärkung des Waldbodens, um die Wasserspeicherfähigkeit und den Nährstoffgehalt zu erhöhen sind weitere wichtige Maßnahmen, die die Berliner Forsten neben der nachhaltigen Bewirtschaftung übernehmen.

Dies ist aus zwei Gründen wichtig: die neuen Laubbäume halten das Niederschlagswasser besser im Waldboden, sind hitzeresistenter als die Nadelhölzer und speichern auch mehr Treibhausgase. Weiterhin sind in den letzten Jahren über 15 Hektar Moorflächen revitalisiert worden. (Kleine Pelzlaake und Krumme Laake)  Das Ergebnis sind Moorflächen mit einem hohen Grundwasserpegel, die viel CO² binden, und seltene Pflanzen und Tiere beherbergen. Fast alle Moorflächen sind bereits als Naturschutzgebiet ausgewiesen und langfristig gesichert.

Ein gesunder Berliner Forst trägt viel dazu bei, dass das Land Berlin seine Klimaziele erreicht: pro Jahr beträgt die aktuelle Speicherleistung der Berliner Wälder und Moore rund 335.100 Tonnen CO².

Auch als SPD müssen wir uns zukünftig besser forstpolitisch aufstellen: in den letzten Haushalten konnten wir zwar mehr Mittel für die Bezahlung der Mitarbeiter*innen der Berliner Forsten, Geld für neue Arbeitsgeräte und die pädagogische Arbeit der Waldschulen bereitstellen aber es gibt weitere Potenziale für den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung der Forste.

Beispielsweise können die Folgen des Klimawandels durch die vermehrte Nutzung der technischen Möglichkeiten im Rahmen der Digitalisierung bekämpft werden. Das beginnt bei Drohnenflügen auf Wipfelhöhe um Schäden durch Hitze- und Trockenperioden leichter zu identifizieren und endet bei einer digitalen Modellierung der einzelnen Wachstumsphasen der Gehölze.

Auch der Wissenstransfer in die forstliche Praxis ist wichtig: aktuell bereiten die Forsten eine Studie vor, um zu prüfen wie der Berliner Forst weiter gestärkt werden kann, um so das Berliner Trinkwasser qualitativ und quantitativ zu schützen. Das ist wichtig, da aktuell davon ausgegangen wird, dass sich unser Trinkwasserbedarf in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg bis 2050 verdoppeln wird.

Auch das Engagement von Bürger*innen kann helfen, die Folgen des Klimawandels abzumildern und den Wald zu entlasten. Der Senat erarbeitet aktuell standardisierte Angebote, damit zukünftig Freiwillige sich am Waldschutz und der Waldgesundung beteiligen können. Ein Beispiel für ein derartiges Projekt ist die Arbeit des Bergwald e.V. im Berliner Grunewald. Besonders freue ich mich über geplante Neuausweisung von Erholungs- und Schutzwaldflächen in Treptow-Köpenick im Grünauer Forst, Schmöckwitzer Werder und bei Müggelheim, damit die Berliner Wälder auch zukünftig weiterwachsen können.

Meine Schriftliche Anfrage: ‚Berliner Forsten und Moore im Klimawandel: Berlins Wälder zukunftssicher gestalten‘ finden Sie unter folgendem Link: http://bettina-domer.de/storage/2021/01/Schriftliche-Anfrage-der-Abgeordneten-Bettina-Domer-MdA-Berliner-Forsten-und-Moore-im-Klimawandel-Berlins-Waelder-zukunftssicher-gestalten.pdf


[1] Der Waldzustandsbericht der Länder Berlin und Brandenburg aus dem Jahr 2020 kann unter folgendem Link abgerufen werden: Waldzustandsberichte der Länder Berlin und Brandenburg – Berlin.de (URL: https://www.berlin.de/forsten/waldschutz/waldzustandsberichte/)